„Es scheint, als ließe sich hier eine Architektur auf quasi natürliche Weise aus den Bedingungen der Konstruktion entwickeln, eine Architektur, die sich selbst erklärt und die ihre Wirkungsweise [...] in der Erscheinung der Stäbe und Verbindungen verständlich macht.“ Martin Tschanz: Stand der Dinge, in: Archithese, 1995

Vokabular Filigranbau

Baukonstruktion 1, 1. Semester BA
Wintersemester 2025/26
Wissenschaftliche Mitarbeit: Katharina Benjamin, Pia Brückner, Jonas Hamberger

Das Zusammenspiel von Gestalt, räumlicher Vision, Materialität und konstruktiver Ausformulierung stellt das Kerninteresse des Instituts für Baukonstruktion dar. Jede dieser Kategorien wird durch die jeweils andere bedingt. Ohne einen sinnvollen ganzheitlichen Bezug zueinander können diese zwar in sich schlüssig scheinen, jedoch kein starkes Ganzes bilden. Diese Wechselwirkungen zwischen architektonischem Ausdruck und konstruktiver Verfasstheit stehen im Zentrum der Grundlehre. Im ersten Semester vermitteln wir baukonstruktives Vokabular, architektonische Grundbegriffe und gestalterische Prinzipien anhand einer konkreten Bauweise, dem Filigranbau mit Holz. Die Wahl eines bestimmten Materials führt zwangsläufig zu einer Auseinandersetzung mit den ihm immanenten Eigenschaften, den spezifischen Möglichkeiten der Fügung und damit seiner formal-ästhetischen Erscheinung. Der Holzbau, eine historische Bauweise, die sich in der Vergangenheit vornehmlich im ruralen Raum verorten lies, erlebt eine Neubelebung. Auf die drängenden Fragen unserer Zeit - Ressourcenknappheit, CO2-Aufkommen, Wirtschaftlicheit - verspricht der nachwachsende Baustoff Holz Antworten. Holz ist ein CO2-neutrales Material, kann lokal produziert werden und erleichtert den Bauprozess durch ein hohes Maß an Vorfertigung. Wir vermitteln das Bauen mit Holz in Theorie und Praxis. In drei Übungen wird der Bezug zwischen gestalterischen Konzepten und baukonstruktiver Ausformulierung thematisiert. Auf die Analyse gebauter Beispiele aus dem immer breiter werdenden Spektrum des modernen Holzbaus folgt das Extrahieren ihrer baukonstruktiven Essenz. Erkenntnisse aus den beiden Vorübungen Analyse und Essenz werden in durch den Transfer in den Entwurf angewendet.